seit etwa 1 Jahr wächst ein immer noch recht kleines Eichhörnchen im Garten heran. Sein Revier samt Muttertier und einem älteren Geschwister erstreckt sich über mehrere Gärten, getrennt durch eine gut befahrene Straße, über die er täglich mehrfach laufen muss. In unserem Garten macht er viel Unsinn, findet was er braucht, nur keine Nistmöglichkeit. Die Kobel vermuten wir jenseits der Straße.
Nun möchte ich den Kleinen mehr an unseren Garten binden, verhindern, dass er die Straße queren muss, und so habe ich zwei Kobel-Bauten als Nisthilfe erworben. Leider bietet sich nur ein einziger Baum, eine 12m hohe Tuja zur Befestigung an.
Meine Frage nun: Macht es Sinn eine Nisthilfe in etwa 5m Höhe in dieser Tuja zu befestigen, und die zweite auf 3m Höhe? Oder müssen es zwei unterschiedliche Bäume in einer bestimmten Entfernung zueinander sein? Es käme theoretisch noch eine Hanfpalme in Frage, die aber gepflegt werden muss, der Nistplatz dadurch gestört würde. Dann noch der Giebel an der Außenwand einer Garage, der allerdings von Nov bis April ungeschützt im Freien in der Mittagssonne hängen würde.
Hallo, große Nähe zu Futterplätzen ist ungünstig, weil das Futter andere Eichhörnchen oder gar Feinde anlockt. Der Eingang sollte von der Wetterseite abgewendet sein, dichte Baumkronen in der Nähe gelten als begünstigend für die Einzugwahrscheinlichkeit. Einzeln stehende Bäume: wohl eher nicht, die Tiere haben dann den Zugangsweg ohne Deckung.
Du wirst das Tier nicht an nur Deinen Garten binden können, dazu sind die Tiere einfach zu aktiv und kommen rum, Du kannst mit großzügigem Futter- und Wasserangebot nur den Aktionsradius "begrenzt" halten, besonders im Winter, aber der paradoxe Effekt könnte sein, daß sie dann häufiger zu dir wechseln (aber nicht bleiben), sodaß sie die Straße noch häufiger queren - wer weiß. Die Tiere vergrößern ihre Reviere oder wandern ab, wenn ihre Kernreviere ihnen nicht genug bieten, in jeder Hinsicht, oder der Populationsdruck zu groß wird.
Aber andererseits hat man Eichhörnchen schon an den denkbar unmöglichsten Stellen einen Kobel mit Jungen unterhalten sehen. Wir hatten hier mal eine Familie in einer hohlen weide, in 1.5m Höhe etwa, die Weide stand 2-3 Meter neben dem viel frequentierten Fussweg hier am Münster aner Kanal. Ich wollt'S nicht glauben. Vor über zwanzig Jahrne gab es einen Kobel auf einem eisnamen Baum mitten auf dem begrünten Mittelstreifen einer damals heftig befahrenen Hauptverkehrsstrasse. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß das Tier das lange überlebt hat, aber daß es allein auf die Idee kam zeigt, daß niemand wirklich weiß, was in ihren kleinen Köpfen vor sich geht.
Ich würde die Erwartung klein halten, damit die Enttäuschung überschaubar bleibt, falls das Angebot ausgeschlagen wird. Probieren kann man es aber. Aber Deckung ist ein Muß. Und die Wetterrichtung beachten.
Auf etwa 1m Höhe hängt ein Futtersilo, das ich über Winter regelmäßig, und noch regelmäßiger ab Jan mit Bio-Haselnüssen fülle.. Wenn der Kleine sich daraus seine erste Nuss holt, klettert er die Thuja rund 5m rauf und verspeist sie dort. Scheint sich in dieser Höhe sicher zu fühlen. Die folgenden Nüsse frisst er von einem niedrigeren Platz oder direkt vor Ort. Die Thuja dient ihm auch als Platz um sich zu putzen. Er verbringt Zeit darin, bevor er weiterzieht. Sie scheint für einen (oder zwei) Kobel geeignet zu sein. Fressfeinde wie Marder gibt es nicht, streunende Katzen schon, sind im Garten aber selten zu finden. Die Thuja ist sehr dicht gewachsen, wurde mal geschnitten und explodiert nun förmlich in die Breite. Müsste in vielleicht 6 Jahren erneut geschnitten werden ...
Hallo @TerHörn, schön, dass du hier bist, musste erst überlegen, wer sich hinter dem Namen verbirgt . Thuja an für sich ist kein schlechter Platz, denn die Früchte der Thuja sind für uns zwar giftig, aber nicht für Eichies, eher eine Delikatesse, also quasi im Herbst das Futter vor der Nase. Von daher würde ich mich nicht wundern, wenn sich da Eichies einnisten, die Nistplätze werden leider immer weniger und die Eichies können nicht mehr so wählerisch sein. Ich gebe Marc absolut Recht, die Wetterseite ist entscheidend! Im Auswilderungsgehege in Husen hat Heiko auch Kobel in die riesige Tanne über dem Gehege gehängt. Einer wurde durchaus frequentiert, der andere gar nicht, denn der war eben auf der falschen Wetterseite. Der Vorteil bei Thuja ist auch, dass die Äste selbst sehr "wackelig" sind und ggfs. Marder, Katze etc, da gar nicht hochkommen, haben aber den Nachteil, dass auch das Eichie nah am Stamm und damit wieder in der Nähe möglicher Fressfeinde sitzt, denn am Stamm kommt ein Marder hoch. Katze würde ich ausschließen, dafür ist die Thuja ihr wahrscheinlich zu dicht und zu unbequem im Aufstieg. Die Krallen von Katze, Marder und Eichie unterscheiden sich schon ordentliich. Ich würde es einfach versuchen und beobachten. Und bitte hier gerne berichten. Ausstaffieren würde ich den Kobel mit Alpakawolle, Schafswolle etc. Tipps findest du im Wiki hier.
LG Swiffy
"Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier"
Vielen Dank für die äußerst hilfreichen Details. Gerne berichte ich ...
Meine Frage ging auch dahin, ob mit 2 m Höhenunterschied zwei (!) Kobel angebracht werden könnten. Die oben beschriebenen Alternativen sind meines Erachtens nicht attraktiv genug, oder?
Dieses spezielle Hörnchen ist mir in dem Jahr ans Herz gewachsen, auch wenn er/sie mächtig Unfug treibt. Er hat seine Gründe, die er damit "mitteilt". Wir "kommunizieren" miteinander, er verlangt, warnt, und ich gebe nach und zeige mich großzügig 😁
Er ist Chef im Garten. Auch darüber kann ich mal berichten. Er ist besonders, und da er recht pfiffig ist, möchte ich ihn mit den Kobeln dazu anregen "sein" Revier diesseits der Straße im Revier seiner Sippe angestammt jenseits der Straße zu verteidigen. Ansonsten passiert ihm, was allen Jungtieren nach dem zweiten Jahr passiert, wenn die dritte Generation geworfen wird: sie werden vom Muttertier vertrieben.
Ohne es nun ganz genau zu wissen, würde ich schlußfolgern: europäische rote Eichhörnchen sind Einzelgänger, und wenn sich Tiere nicht aus der Kinderstube kennen, bezweifle ich, daß zwei Tiere so nah beieinander ihre Haushalte einrichten. Wenn Lage und Baum und Ausrichtung Deinem Schützling zusagen, wird er einen der beidne Kobel vielleicht annehmen, aber daß er und ein fremdes Tier sich gleichzeitig im selben Baum einrichten, möchte ich nahezu ausschließen. Vielleicht ist der zweite Kobel dann auch der Grund warum sich das residente Tiere gar nicht erst auf die Sache einläßt: weil es das als Zeichen nimmt, daß schon jemand da ist.
Nimm einen Kobel, hänge ihn wettergeschützt auf, und zwar auf die höchstmögliche Position. Mehr, denke ich, kannst du sinnvoll nicht versuchen. Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt. Vermeide, daß Wind und Regen zum Eingang reinknallen. Wenn die Stelle im Sommer heiß wird, is' auch nicht so gut, jedenfalls als Sommerresidenz.
Ich habe auch einen Kobel auf meinem Balkon, neben Futterstellen, der war aber nicht als Kobel, sondern als Kapokwollbox gedacht, daß da jemand einzieht habe ich nie ernsthaft erwartet. Auf den großen Deckel habe ich aus dem Baumarkt eine Kunstgrünzeug"netzkachel" (weiß nicht wie ich das sonst nennen soll) angebracht, in den hohen Blättern und Halmen liegen auch Nüsse, etwas versteckt. Dort sitzen meine beiden Balkon-Stammgäste gerne, weil es gut regen- und windgeschützt ist und ihnen die höchste Aussichtsplatform bietet. Das Innere wurde zwar vor vielen Monaten erkundet, aber nicht für würdig befunden, es erneut aufzusuchen, obwohl es baulich ziemlich ideal ist: versteckt, drei Luken, windgeschützt.
Unmittelbar oberhalb des oberen Bildrandes steht das Dach etwa 40-50cm vor, die stelle ist gut regengeschützt. Aber wie gesagt, das Innere wird nicht besucht, trotz drei Luken, und duftendem Heu und Kapokwolle und sogar ein paar Nüssen im Inneren. Auch schon nicht, als ich noch keine Meisenknödelhalter angehängt hatte, um sie zur Luke zu locken.
Mit dieser Grünzeugmatte kannst du zumindest für einen vielleicht interessanten Rastplatz mit Ausblick sorgen, wenn Dein Kobel ansonsten ignoriert wird. Aber wohl nur, wenn es da regelmäßig was zu hohlen gibt... Leg Nüsse auf den Deckel, in das Kunstgrün.
Mein Plan ist es den zweiten Kobel als Ausweichkobel anzubieten, da Hörnchen mehrere unterhalten. Wenn bspw. ein Kobel verschmutzt, von Ungeziefer befallen wird, oder die Thuja-Zweige mehr Licht, Wärme, Wind durchlassen als beim anderen, dass dann der zweite phasenweise attraktiv wird je nach Jahreszeit, und in Summe der Standort Thuja zum Bezug an sich. Oder müssen Ausweichkobel grundsätzlich weiter voneinander entfernt auf unterschiedlichen Bäumen hängen?
Sehe es wie Marc, Versuch macht klug. Habe 2 Kobeln auf dem Balkon, ist bisher auch nichts passiert, ausser das die Wolle abtransportiert worden ist. Ich lasse es so, wer weiß, vielleicht zieht doch noch jemand ein.
Zitat von TerHörn im Beitrag #7 Oder müssen Ausweichkobel grundsätzlich weiter voneinander entfernt auf unterschiedlichen Bäumen hängen?
Ich denke schon, weil der Wechsel ja auch dem Ausweichen vor Gefahren dienen kann, Beutegreifern. Da wollen sie dann schon weiter weg gehen. Ausweichen vor Witterung und Hitze spielt auch eine Rolle. Deshalb habe ich über die heiße Phase des Sommers auch praktisch gar keine Aktivität im Garten und auf dem Balkon. Sie müssten dann erst über die Dachziegel, und die sind dann glühend heiß.
Vielen Dank schon einmal für die Tipps bis hierhin.
Die Kobel wurden kürzlich ausgeliefert, zwischenzeitlich ungünstig gelagert, denn Kohl- und Blaumeisen interessierten sich brennend dafür, nun aber warten sie sachgerecht auf den Aufbau.
Eine Frage am Rande: Ich habe ein etwa 15 cm tiefes Loch gebuddelt, um am Folgetag eine Vitalbeere einzupflanzen. Als ich dann zur Tat schreiten wollte, war es zugeschüttet, und ich fing wieder von vorne an. Aus Erfahrung habe ich das Hörnchen direkt im Verdacht gehabt und erwartete Nüsse, die zum Vorschein hätten kommen können.
Stattdessen hob ich zwei seltsame Kügelchen aus: Haselnuss groß, auch in Haselnussform, grün-braun gefärbt, sehr leicht und nicht komprimiert bzw. nicht verdichtet. Und es roch wie Pferdeäpfel.
Für Hörnchenkot etwas groß, oder? Wer könnte das gewesen sein? Etwa ein Fressfeind, der mir im Garten bislang verborgen blieb?
Ups, ich hätte etwas zum Standort schreiben müssen: mit hohem Zaun und lebhafter Nachbarschaft umgrenzt, am Stadtrand. Nur für kletternde Tiere zugänglich. Also eher bekannte Felltiere wie Katze, Igel, Marder o.ä., und Hörnchen. Oder jemand Überraschendes. Oder jemand hat statt Nüsse Kot von größeren Tieren als wertvollen Schatz vergraben.
Das Loch ist ziemlich beengt im Umfeld, nur für kleine Tiere zugänglich.
So einen Käfer habe ich noch nicht im Garten gesehen, warum nicht. Besser als ein Fressfeind
Aber ob er dieses Loch in der Größe mit dem Haufen Erde zu 3/4 hätte zuschachten können? Und in so filigraner Arbeit?
Genau, wenn es vom Reh o.ä. stammen sollte. Ich weiß nicht wie weit man für Rehsichtungen fahren müsste, innerhalb von 15 km über Autobahn und ggf. Brückenüberquerung gibt's hier solche nicht.
Und filigrane Arbeit würde aus meiner Sicht ein Hörnchen erledigen können.
Ich hatte das Loch am gleichen Tage wieder ausgehoben, bis heute unangetastet.
Zum Tipp mit Alpakawolle den Kobelbezug zu beschleunigen: Wie viel braucht man dafür? Im www findeen sich häufig 500g Packungseinheiten für den Preis eines Kobels ... Also rund 35 €. Ganz schön teuer ... Günstigere sind ausverkauft.
Die Zeit des Nestbaus zieht sich ja noch Monate hin. Würde das Hörnchen die Wolle denn schon jetzt zu schätzen wissen? Oder Kobel erst im August aufhängen, mit der Wolle als Lockmittel?
Dieser Beitrag verstößt gegen die Netiquette des Forums.
{[userwarning_empty_error]}
Es wird der oben genannte Grund verwendet. Klicken Sie hier, um den Inhalt der privaten Nachricht anzupassen
Legen Sie hier den Inhalt der PN-Benachrichtigung fest.
Hinweis: Dieses Mitglied wurde bereits 4 Mal verwarnt. Bei einer weiteren Verwarnung wird das Mitglied automatisch gesperrt.
Foren Spende
Hallo !
Wir hoffen, dass dir unser Forum gefällt und du dich hier genauso wohlfühlst wie wir.
Wenn du uns bei der Erhaltung des Forums unterstützen möchtest, kannst du mit Hilfe einer kleinen Spende dazu beitragen,
den weiteren Betrieb zu finanzieren.